Seekarten waren (und sind) essentielle Hilfsmittel für sichere und
effiziente Seereisen zu fremden, unbekannten Häfen. Dennoch sind diese
maritimen Wissensdinge noch immer wenig erforscht. Das Forschungsprojekt
„Karten – Meere. Für eine Geschichte der Globalisierung vom Wasser
aus“, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF), stellt See- und Meereskarten der Zeit von 1850 bis 1950 in den
Fokus. Es untersucht die Rolle dieser Karten während der sogenannten
„ersten Globalisierung“, in einer Zeit enormer technischer Umbrüche und
sozialer Veränderungen.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Sunhild Kleingärtner (Geschäftsführende
Direktorin DSM), Prof. Dr. Ruth Schilling (Ausstellungs- und
Forschungskoordinatorin DSM), Prof. Dr. Iris Schräder (Forschungszentrum
Gotha) und Prof. Dr. Wolfgang Struck (Universität Erfurt) richten
Wissenschaftler*innen des Deutschen Schifffahrtsmuseums Bremerhaven, des
Forschungszentrums Gotha sowie der Universität Erfurt in vier
Teilprojekten verschiedenste Fragen an das Kartenmaterial. Während am
Schifffahrtsmuseum der Gebrauch von Karten auf See und ihre Nutzung im
Navigationsunterricht im Fokus stehen, wird in Gotha stärker auf die
Rolle von Meereskarten in der historischen wissenschaftlichen
Ozeanographie und auf ihre seinerzeitige Rezeption in populären Medien
abgezielt.
Mit über 14.000 historischen See- und Meereskarten bildet die Sammlung Perthes der Forschungsbibliothek Gotha einen wesentlichen Quellenbestand
für die Forschung von Theis und seinen Kolleg*innen; ebenfalls im Fokus
sind die umfangreichen Bestände des Deutschen Schifffahrtsmuseums, die
neben See- und Meereskarten auch zahlreiche historische
Navigationsinstrumente umfassen. Selbst die Aufzeichnungen von
Kapitänen, Einträge in Log- und Schiffstagebüchern, gezeichnete Karten-
und Landschaftsskizzen, werden analysiert.
Die Informationen in gedruckten Seekarten sind ebenso vielfältig wie
veränderlich: Neben den Wassertiefen und Strömungen werden auch
Seezeichen und Landmarken sowie die Positionen von Wracks abgebildet.
Frederic Theis erforscht, wann und warum bestimmte Informationscluster
erstmals in Seekarten erschienen und welcher unmittelbare Nutzen damit
für die seinerzeitige Schifffahrt verbunden war. Da sich zudem die
Verhältnisse auf See und besonders in Küstengebieten infolge von
Gezeiten, Sturmfluten und anderen Phänomenen häufig ändern, unterlagen
Seekartenwerke ständigen Anpassungen und Korrekturen durch Kapitäne und
kartographische Beamte. Diesesichtbar zu machen ist ein Kernanliegen des
Projektes.
Im Juli 2019 nutzten Theis und seine Kolleg*innen die International
Conference on the History of Cartography (ICHC) in Europas
‚Kartenhauptstadt‘ Amsterdam, um die Quellen und Forschungsansätze des
Projektes auch international bekannt zu machen. Nun steht bereits der
nächste Schritt an: Ab Juli 2020 werden besondere See- und Meereskarten
und ihre Geschichte(n) in einer Ausstellung im Bremer ‚Haus der
Wissenschaft‘ sowie am Deutschen Schifffahrtsmuseum gezeigt werden.
Danach finden die Forschungsergebnisse auch Eingang in die neue
Ausstellung, die nach dem Umbau dauerhaft im DSM gezeigt werden wird.
via https://idw-online.de/de/news723331
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