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Donnerstag, 19. Juli 2018

Wilhelm Hauff: Ein genialer Handwerker im Literaturbetrieb / Tilman Spreckelsen In: FAZ 18.07.2018

Ein junger Mann besucht die Leihbibliothek seiner Stadt. Nicht etwa um zu lesen – die „vier- bis fünftausend Bände“ der Bücherei habe er bereits zwei Jahre zuvor „in einer langen Krankheit durchgeblättert“. Stattdessen will er die anderen Besucher der Bibliothek beobachten, um herauszufinden, welche Titel sie auswählen. Außerdem befragt er den alten Bibliothekar zu seinen Kunden.
Was ihn dazu treibt, ist wiederum kein Erkenntnisdrang, die Erforschung der Lesegewohnheiten seiner Mitbürger ist ihm nur Mittel zum Zweck. Denn er will selbst Schriftsteller werden und beobachtet nun den Markt, um sein Schreiben dann danach auszurichten – es geht ihm um den Erfolg, von ästhetischem Rüstzeug oder gar einer literarischen Mission ist nicht die Rede.
Was heute keineswegs ungewöhnlich anmutet, die unbedingte Orientierung eines Autors am Buchmarkt, war 1827 noch eine Provokation. In Wilhelm Hauffs Skizze „Die Bücher und die Lesewelt“, die damals im renommierten „Morgenblatt für gebildete Stände“ erschien, wird dann auch ein neues literarisches Leben geschildert, das sich von der nur wenig zurückliegenden Epoche in zwei wesentlichen Punkten unterscheidet: Es geht hier nicht mehr um einzelne Autoren, sondern um Machart und Inhalt, verlangt wird nicht unbedingt der neue Roman eines bestimmten Urhebers, sondern irgendeine Geister-, Ritter- oder Liebesgeschichte, und wenn alles in eins fällt, umso besser. Wenn aber Autoren eine dieser literarischen Moden geradezu verkörpern – Walter Scott ist ein damals gern genanntes, gern kopiertes Beispiel –, dann werden gezielt sie verlangt, unabhängig vom konkreten Titel. ... [mehr] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/ein-genialer-handwerker-im-literaturbetrieb-wilhelm-hauff-als-visionaer-15686269.html

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