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Sonntag, 8. Dezember 2019

Bücher an der Universität Leipzig vor der Gründung der UB Leipzig (1409–1543)

1. Quellenfundus für das frühe Universitätsleben
Am 2. Dezember feiert die Universität Leipzig ihren 610. Geburtstag und damit ihr Gründungsjahr von 1409. Erst mit einer zeitlichen Verzögerung von fast 150 Jahren konnte die Universitätsbibliothek 1543 durch Caspar Borner eingerichtet werden. Somit konnte die UB für die ersten 150 Jahre der Universität damit also nicht die zentrale Rolle innerhalb des universitären Lebens einnehmen, die sie heute innehat.
Man könnte daraus schlussfolgern, dass die Universitätsbibliothek mit ihren Büchern keinerlei Verbindungen zur frühen Universität aufweist und erst für die Zeit ab der Mitte des 16. Jahrhunderts Quellen für den Lehr- und Lernbetrieb an der Universität verwahrt. Aber weit gefehlt: Denn in ihrem Bestand an mittelalterlichen Handschriften, Inkunabeln und Drucken des 16. Jahrhunderts befinden sich zahlreiche direkte Zeugnisse der ersten 150 Universitätsjahre. Sie stammen teilweise von Studenten und Lehrenden und geben damit Auskunft über die Personen selbst, über besuchte Lehrveranstaltungen, Praktiken der Wissensvermittlung, wichtige Institutionen und Lernorte der frühen Universität. Sie sind erst später – meist über die Vermittlung von universitären Einrichtungen wie der Kollegien oder den Fakultäten – an die Bibliothek gekommen und besitzen dadurch einen besonderen Quellenwert für die Frühzeit der Leipziger Universität.
2. Ms 1301: Ein philosophisches Taschenbuch aus dem direkten Studienbetrieb
Ein Beispiel für eine solche für das frühe Universitätsleben bedeutende Quelle ist die Leipziger Handschrift mit der Signatur Ms 1301 (Digitalisat, Beschreibung).

Ms 1301, fol. 2r: Textbeginn
Die Handschrift führt uns zurück in die Mitte des 15. Jahrhunderts. Sie ist auf Papier geschrieben und ihre Blätter haben in etwa eine Größe, die unserem heutigen A5-Format entspricht. Im Vergleich zu vielen anderen mittelalterlichen Handschriften dieser Zeit ist der Band auffällig leicht, da er einen flexiblen Einband aufweist: Diese Einbandart, in der die einzelnen Lagen des Buchblocks in einen Pergamentumschlag eingenäht sind, wird als Kopert(-einband) bezeichnet. Bei Studenten waren Koperteinbände beliebt, weil sie in ihrer Anfertigung viel kostengünstiger waren als die sonst üblichen Holzdeckeleinbände. Aufgrund ihrer Flexibilität und guten Handhabbarkeit werden sie auch die ‚Taschenbücher des Mittelalters‘ genannt.

Mittelalterliche Handschriften geben in der Regel nicht explizit Auskunft über ihre Entstehungszeit, ihren Entstehungsort, ihre Vorbesitzer und auch nicht über die in ihr enthaltenen Texte – diese Daten müssen durch intensive Recherche erschlossen werden. Im Falle von Ms 1301 bringt uns der Schreiber der Handschrift allerdings in eine außerordentlich glückliche Lage: Da er detailliert am Ende jedes Textes verzeichnet, wann er die jeweilige Textabschrift beendet hat, eröffnet sich ein direkter Zugriff zumindest auf die Entstehungszeit der Handschrift. Es ergibt sich ein engmaschiges Netz von fünf Haupttexten, die innerhalb von nur einem Monat im Zeitraum vom 15. Januar bis zum 8. Februar 1444 abgeschrieben wurden. ... [mehr] https://blog.ub.uni-leipzig.de/universitaet-ohne-bibliothek/

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