Samstag, 12. August 2017

Linden-Museum untersucht seine Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus

Von April 2016 bis März 2017 untersuchte das Stuttgarter Linden-Museum die eigene Sammlungsgeschichte während der nationalsozialistischen Herrschaft im Deutschen Reich zwischen 1933 und 1945. Bei der überwiegenden Mehrzahl der untersuchten Objekte fanden sich keine Hinweise auf unrechtmäßigen Erwerb. Ermöglicht wurde die provenienzgeschichtliche Untersuchung durch die Unterstützung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart.

Ein NS-verfolgungsbedingter Hintergrund konnte jedoch  für eine Schenkung definiert werden: Dabei handelt es sich um Adolf Grünwald (1881-1961), einen Stuttgarter Kaufmann jüdischer Herkunft. Er hatte im Jahr 1937 unter dem Verfolgungsdruck der Nazis 33 Objekte aus Ostasien im Zuge seiner Auswanderungsvorbereitungen dem Linden-Museum überlassen. Da die Schenkung Grünwalds in einer Zwangslage erfolgte, handelt es sich um einen unrechtmäßigen Erwerb von Kulturgut. Damals musste Grünwald unter dem Druck der Judenverfolgung mit seiner Familie emigrieren. Während die Familie Ende 1937 ihre Ausreise plante, Dinge für den Umzug packte und die Spedition Schenker & Co. mit dem Transport beauftragte, entschied Grünwald sich, eine Privatsammlung an ethnologischen Objekten, Büchern und Fotos an das Linden-Museum abzugeben. Anfang 1938 wanderte die Familie über Zürich, Wien und Genua nach Brasilien aus. 1939 verlor die Familie ihre deutsche Staatsangehörigkeit und wurde ausgebürgert. Damit mussten sie als Staatenlose in Brasilien ein neues Leben beginnen. 14 Objekte der Privatsammlung Grünwald wurden in den 1950er Jahren aus dem Bestand des Linden-Museums entfernt, die restlichen Stücke wurden in die Datenbank Lost Art eingestellt.   

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