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Donnerstag, 30. April 2020

Anti-Apartheid-Aktivist Denis Goldberg ist tot

Der prominente Anti-Apartheid-Aktivist Denis Goldberg ist tot. Der Südafrikaner wurde 87 Jahre alt. Die Stiftung des früheren Erzbischofs Desmond Tutu teilte mit, Goldberg sei ein „Mensch mit höchster Integrität und Ehre“ gewesen. Es fühle sich an, „als habe die Nation einen Teil ihrer Seele verloren“. Der Sohn einer liberalen jüdischen Familie war einer der prominentesten weißen Gegner des rassistischen Apartheidsregimes. Als überzeugter Kommunist kämpfte er für die Gleichberechtigung aller Südafrikaner und unterstützte den bewaffneten Kampf der verbotenen Befreiungsbewegung Afrikanischer Nationalkongress, ANC. Der Bauingenieur wurde zusammen mit dem späteren Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela vor Gericht gestellt und 1964 als einziger Weißer verurteilt. Er verbrachte 22 Jahre in Haft, nach seiner Freilassung ging er ins Exil in London.

Neuer Bibliotheksverbundkatalog antifaschistischer Archive

Antifaschistische Archive und Dokumentationsprojekte aus sechs deutschen
Städten bieten nun erstmals einen gemeinsamen Bibliothekskatalog (OPAC -
Online Public Access Catalogue) an, in dem sich online die Buch- und
Broschürenbestände der beteiligten Projekte durchsuchen lassen. Der
inhaltliche Schwerpunkt liegt auf Sekundärliteratur zu verschiedenen
Facetten der extremen Rechten in Deutschland und Europa nach 1945.
Darüber hinaus findet sich im OPAC Primärliteratur aus der Zeit der
Weimarer Republik, des Nationalsozialismus sowie zu aktuellen
Erscheinungsformen der extremen Rechten.
Über die unterschiedlichen Zugangsbedingungen – in der Regel handelt es
sich um Präsenzbibliotheken – informieren die jeweiligen
bestandsführenden Einrichtungen. Im OPAC sind mehr als 20.000 Bücher und
Broschüren verzeichnet. Weitere Bestände wie Zeitschriften, Zeitungen,
Flugblätter und Plakate sowie Vor- und Nachlässe können direkt in den
Archiven erfragt werden.

An dem Projekt sind beteiligt:

Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle
München e. V. (a.i.d.a.) - München

Antifaschistisches Bildungszentrum und Archiv Göttingen e.V. (ABAG) -
Göttingen

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e.V. (apabiz)
- Berlin

Antifa-Archiv - Düsseldorf

Archiv zum ehemaligen »Jugend-KZ und späteren Vernichtungsort Uckermark«
(im apabiz) - Berlin

Argumente & Kultur gegen rechts e.V. - Bielefeld

Zeitgeschichtliche Dokumentationsstelle Marburg e.V. (ZDM) - Marburg

Mit dem gemeinsamen OPAC wollen wir als beteiligte Projekte unseren
Nutzer*innen eine vereinfachte überregionale Recherche ermöglichen und
zugleich deutlich machen, dass es in verschiedenen deutschen Städten
antifaschistische Archive und Dokumentationsprojekte gibt, die über den
Bibliotheksbestand hinaus auch zahlreiche Archivalien und Graue
Literatur im Bestand haben. Die extreme Rechte hat eine langjährige
Geschichte, die allerdings in staatlichen Archiven kaum recherchiert
werden kann. Diese fehlende Überlieferung wird durch antifaschistische
Dokumentationsprojekte und Archive geleistet, in denen zehntausende von
Primärquellen der extremen Rechten eingesehen werden können. Mit Hilfe
der hier vorhandenen Quellen lässt sich die Geschichte, aber auch die
Gegenwart der extremen Rechten in Deutschland nachzeichnen.
Weiterführende Informationen zu den Archiven sind auf den jeweiligen
Homepages der Projekte zu finden.

Der Verbundkatalog ist ab sofort unter
http://bibliothek.antifa-archiv.org zu finden.

apabiz e.V.
antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e.V.

via https://www.inetbib.de/listenarchiv/msg67470.html

Das wichtigste Theaterfestival gratis im Internet / Nicole Golombek. Stuttgarter Nachrichten 29.04.2020

„Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!“, diese Rufe ertönen in schöner Regelmäßigkeit zehn Mal pro Jahr in den Theatern, die zum wichtigsten europäischen Theatertreffen nach Berlin eingeladen werden. Das Schauspiel Stuttgart ist ohnehin nicht dabei, aber auch für die eingeladenen Theater fällt die Fahrt dieses Jahr wegen der Corona-Krise aus. Das Theatertreffen findet vom 1. bis 9. Mai aber dennoch statt. Im Internet, gratis dazu, auf der Online-Plattform „Berliner Festspiele on Demand“.
Manches wird auch im Fernsehen auf dem Sender 3sat gezeigt. Etwa die Inszenierung, die das Festival eröffnet: Shakespeares „Hamlet“ vom Schauspielhaus Bochum in der Regie des Intendanten Johan Simons mit Sandra Hüller, bekannt auch aus dem vielfach preisgekrönten Film von Maren Ade, „Toni Erdmann“.
Die öffentliche Verleihung des Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung an die Schauspielerin Sandra Hüller wird voraussichtlich im Rahmen des Theatertreffen 2021 stattfinden. Der Alfred-Kerr-Darstellerpreis, in diesem Jahr mit Ursina Lardi als Jurorin, kann 2020 leider nicht verliehen werden. Simons und Hüller haben bei „Hamlet“ eine fruchtbare Zusammenarbeit fortgesetzt. Bereits Simons’ Inszenierung für die Salzburger Festspiele, Kleists „Penthesilea“ mit Jens Harzer und Sandra Hüller, hatte Kritik und Publikum begeistert. Sandra Hüller wurde von einer Jury des Fachmagazins „Theater heute“ zur Schauspielerin des Jahres 2019 gewählt.
Die „Hamlet“-Aufzeichnung steht ab 1. Mai um 20 Uhr in der 3sat-Mediathek zum Abruf bereit und wird am 2. Mai um 20.15 Uhr im 3sat-TV-Programm gesendet, erstmalig mit einer Audiodeskription und Untertiteln für Seh- und Hörbeeinträchtigte. Weil noch nicht alle der aktuell eingeladenen Arbeiten auf Video verfügbar sind, stellt 3sat in der Mediathek zwei Inszenierungen der 10er-Auswahl vom vergangenen Jahr zur Verfügung: Anna Bergmanns „Persona“-Inszenierung am Deutschen Theater Berlin und „Tartuffe oder das Schwein der Weisen“ in der Regie von Claudia Bauer (Basel).
Juhu, Berlin!-Rufe erschollen auch in Zürich, das Schauspielhaus ist mit „Der Mensch erscheint im Holozän“ von Max Frisch in der Regie von Alexander Giesche eingeladen. Der Regisseur erhält zudem den mit 10 000 Euro dotierten 3sat-Preis. Die 3sat-Jury zur Begründung: „Alexander Giesche legt mit ‚Der Mensch erscheint im Holozän‘ die erste große Inszenierung zum Thema Klimawandel vor.“
Die Inszenierung allerdings kann noch nicht als Mitschnitt gezeigt werden, dafür sind neben „Hamlet“ fünf weitere Arbeiten auf der Homepage der das Festival ausrichtenden Berliner Festspiele jeweils 24 Stunden lang zu sehen.
Neben „Hamlet“ am 1. Mai gibt es am 2. Mai ab 20 Uhr, Alice Birchs „Anatomie eines Suizids“ (Regie: Katie Mitchell) vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg mit der fabelhaften Sandra Gerling, die in Stuttgart Ensemblemitglied bei Armin Petras war. Außerdem am 3. Mai „Die Kränkungen der Menschheit“ von Anta Helena Recke (Kammerspiele München), am 4. Mai Tennessee Williams’ „Süßer Vogel Jugend“ vom Schauspiel Leipzig (Regie: Claudia Bauer). Es folgt am 6. Mai „Chinchilla Arschloch, waswas“ aus Frankfurt von Rimini Protokoll. Und am 8. Mai „The Vacuum Cleaner“ von Toshiki Okada (Münchner Kammerspiele).
Nicht gezeigt werden können eingeladene Arbeiten wie „Der Menschenfeind“ von Molière mit Ulrich Matthes (Regie: Anne Lenk, Deutsches Theater Berlin), „Eine göttliche Komödie. Dante Pasolini“ von Federico Bellini (Regie: Antonio Latella, Residenztheater, München) und ausgerechnet die spektakuläre Performance „TANZ. Eine sylphidische Träumerei in Stunts“ von Florentina Holzinger (eine Koproduktion mehrerer Theater, die an den Kammerspielen München Premiere hatte).
Dafür im Internet im Angebot: Live-Nachgespräche mit Produktionsbeteiligten von den Stücken, die online zu sehen sind, und das Begleit-Programm „UnBoxing Stages – digitale Praxis im Theater“. Weitere Infos zu den Stücken und dem Programm finden sich hier.
Das bedeutet, bei aller Trauer darüber, dass die Kunst nur virtuell zu erleben ist, dass nun alle Theaterfreunde ein Bild von den Produktionen machen können, die eine Kritiker-Jury als bemerkenswert gekürt hat. Normalerweise sind die Vorstellungen, die im Berliner Festspielhaus und an anderen Spielorten gezeigt werden, ruckzuck ausverkauft.

Museumsbund begrüßt Zuschuss zu Schutzvorrichtungen

Der Deutsche Museumsbund begrüßt, dass der Bund Museen und Gedenkstätten mit 10 Millionen Euro unterstützt. Diese Maßnahme werde dauerhaft die Zugänglichkeit von Kultureinrichtungen sichern, teilte der Verband mit. Nach Informationen der Funke Mediengruppe wird das Geld aus dem Etat von Kulturstaatsministerin Grütters bereitgestellt, um für die Kosten von Schutzvorrichtungen und Hygienemaßnahmen aufzukommen. Dem Bericht zufolge stehen insbesondere kleine und mittlere Museen, Ausstellungshallen, Gedenkstätten sowie sozio-kulturelle Zentren und Kulturhäuser im Fokus der Maßnahmen. Die Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen für Museen sind unterschiedlich geregelt. Die ersten Häuser dürfen am kommenden Montag wieder öffnen.

1.9 Millionen Bilder des British Museum online

Das British Museum macht im Zuge einer Website-Erneuerung 1.9 Millionen Fotos aus seiner Sammlung für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Bilder stehen unter einer Creative Commons CC BY-NC-SA 4.0 Lizenz:

„The British Museum Collection Online makes millions of objects accessible to the citizens of the world, wherever they might be. Whether you are a student, an artist, a scholar or are a lover of history and culture, this is an unparalleled resource to explore the richness, diversity and complexity of human history contained in the British Museum’s collection. It is also a platform where we can share the latest knowledge and research. We are delighted to be able to unveil this major revamp early, and hope that these important objects can provide inspiration, reflection or even just quiet moments of distraction during this difficult time.“

via https://blog.digithek.ch/1-9-millionen-bilder-des-british-museum-online/

50 neue Einträge im Archive of Recorded Poetry and Literature

Im „Archive of Recorded Poetry and Literature“ gibt es 50 neue Einträge (via blogs.loc.gov):

„Of course, our celebration of National Poetry Month wouldn’t be complete without our annual release of digitized recordings to the online Archive of Recorded Poetry and Literature collection, and today’s your lucky day: We’re over the moon to announce that we’ve just added 50 newly streaming recordings for your listening pleasure.
First, a little history: The Archive of Recorded Poetry and Literature dates back to 1943 and contains nearly 2,000 audio recordings of poets and writers participating in literary events at the Library of Congress, along with sessions recorded in the Recording Laboratory in the Library’s Jefferson Building. Until 2015, when we started to digitize the collection, most of these recordings were only accessible to those who visited the Library of Congress and requested the magnetic reels in person.“

Neues in bavarikon

Neu in bavarikon, das Portal der Kultur und Wissensschätze Bayerns, sind folgende Sammlungen aufgenommen worden:

- mehrere wertvolle Botanikbücher des 17. und 18. Jahrhunderts aus der Staatsbibliothek Bamberg, die aufwendig mit kolorierten Kupferstichen bebildert sind. Diese Bücher werden ab jetzt in bavarikon in repräsentativer Auswahl gezeigt, ergänzt um ein thematisch passendes Albumblatt sowie um eine Coburger Handschrift von 1758 mit zahlreichen Pilzaquarellen.

- In bavarikon wartet eine neue Sammlung aus dem Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München darauf, erkundet zu werden: Insgesamt gingen 100 Highlights online. Damit wird das im Portal bestehende Angebot des Museums erweitert. Präsentiert wird bereits Ägyptische Kunst in 3D.

- Die neue bavarikon-Sammlung stellt Banknoten europäischer Länder von ihren Anfängen im 17. Jahrhundert bis circa 1945 vor. Den Auftakt bilden Deutschland, Griechenland, Island, die Niederlande, Portugal und die Schweiz.