Montag, 11. Juni 2018

Stellungnahme einer Initiativgruppe des Standardisierungsausschusses zur Entwicklung der Inhaltserschließung im D-A-CH-Raum

Stellungnahme zur Entwicklung der Inhaltserschließung im D-A-CH-Raum

Ausgearbeitet von einer Initiativgruppe des Standardisierungsausschusses (Bayerische Staatsbibliothek, Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg, Bibliotheksverbund Bayern, Deutsche Nationalbibliothek, Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen, Informationsverbund Deutschschweiz, Schweizerische Nationalbibliothek, Staatsbibliothek zu Berlin)

Die Deutsche Nationalbibliothek steht seit der Novellierung des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek im Jahr 2006 vor einer steigenden Zahl von Publikationen, die zu sammeln und zu verzeichnen sind. Um dieser Herausforderung zu begegnen, sieht die Strategie 2017–2020 der Deutschen Nationalbibliothek den zunehmenden Einsatz von maschinellen Erschließungsverfahren vor. In Umsetzung dieser Strategie liefert die Deutsche Nationalbibliothek seit September 2017 auch für ausgewählte gedruckte Teilbestände (Publikationen der Reihen B und H) maschinell generierte Schlagwörter aus. Die Ankündigung dieses Schrittes sorgte für eine Kontroverse über die Zukunft der Inhaltserschließung, die sowohl in den Gremien als auch in der Öffentlichkeit geführt wurde. Vor diesem Hintergrund wurden alle Mitglieder des Standardisierungsausschusses zu einem Workshop im März 2018 eingeladen, um über die weitere Vorgehensweise zu diskutieren.

Die Teilnehmenden ziehen folgendes Fazit:
Die Herausforderungen im Bereich der Inhaltserschließung erfordern eine engere Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen den Bibliotheken im D-A-CH-Raum. Maschinelle Verfahren werden mit Blick auf die nach wie vor wachsende Menge an Publikationen als Methode der inhaltlichen Erschließung zukünftig eine wichtigere Rolle spielen. Eine wesentliche Voraussetzung für die Nutzung maschinell generierter Daten ist die Verständigung auf effektive, überprüfbare Standards für die Qualitätssicherung und Transparenz zu den eingesetzten Verfahren auch im Datentausch. Auch sollte zur Unterstützung des Kompetenzaufbaus ein regulärer Erfahrungsaustausch zu maschinellen Verfahren etabliert werden. Parallel dazu muss daran gearbeitet werden, die intellektuelle Erschließungsarbeit effizienter zu gestalten und sie zielgerichtet vor allem dort einzusetzen, wo sie am dringendsten benötigt wird. Welche Materialien auf welche Weise zu erschließen sind, sollte daher sowohl mit Blick auf die Leistungs- und Optimierungsfähigkeit maschineller Erschließungsverfahren wie auch mit Blick auf die Bedarfe und Anforderungen konkreter Nutzergruppen diskutiert werden. Generell erscheint je nach Material, Inhalt, Bedarf und Datenlage ein fallspezifischer Methodenmix aus intellektueller Erschließung, maschinellen Verfahren und Fremddatenübernahme sinnvoll. Gerade die konsequente Nachnutzung bereits existierender inhaltserschließender Daten, insbesondere unter den bibliothekarischen Partnern im D-A-CH-Raum, ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig. Hierzu müssen Aufgaben und Abläufe organisationsübergreifend besser miteinander abgestimmt und verbindlich geregelt werden. Auch gilt es schrittweise Infrastrukturelemente zur Unterstützung der Arbeitsteilung aufzubauen. Die Deutsche Nationalbibliothek wird vor dem Hintergrund der hier beschriebenen Herausforderungen die Publikationen der Reihe A mindestens bis zum 1. Quartal 2019 weiterhin intellektuell inhaltlich erschließen.
Die am Workshop beteiligten Einrichtungen sind bereit, gemeinsam die Verantwortung für das Erreichen dieser Ziele zu übernehmen und gründen hierfür eine Initiativgruppe auf Leitungsebene, die offen ist für weitere Mitgliedseinrichtungen des Standardisierungsausschusses. Die erste Aufgabe dieser Gruppe ist die Ausarbeitung von Leitlinien für die Inhaltserschließung im D-A-CH-Raum. Dem Standardisierungsausschuss wird regelmäßig über die Ergebnisse der Initiativgruppe berichtet.


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