Montag, 11. Juni 2018

Glaubwürdiger Streiter, begnadeter Bettler - Nachruf auf Hilmar Hoffmann

Der Frankfurter Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann ist tot. Nach Angaben der Polizei starb der 92-Jährige am Freitagabend auf dem Weg ins Krankenhaus. Sein Wirken als Frankfurter Kulturdezernent setzte für Jahrzehnte deutschlandweit kulturpolitische Maßstäbe. Als Präsident des Goethe-Instituts führte er die Institution in einer Zeit anstehender Erweiterungen in Osteuropa und drastischer Mittelkürzungen durch die Bundespolitik.
Hilmar Hoffmann wurde am 25. August 1925 in Bremen als Sohn eines selbstständigen Export-Kaufmanns geboren. Als Fallschirmjäger geriet er 1944 bei Cherbourg in amerikanische Gefangenschaft. Mit 26 Jahren wurde Hoffmann 1951 in Oberhausen der damals jüngste Direktor einer Volkshochschule in der Bundesrepublik. 1953 gründete er die Internationalen Westdeutschen Kurzfilmtage in Oberhausen, die er bis 1970 leitete. Von 1965 bis 1970 war Hoffmann Kultur- und Sozialdezernent der Stadt Oberhausen. Von 1970 bis 1990 gehörte er als Stadtrat dem Magistrat der Stadt Frankfurt am Main an und war in dieser Zeit Dezernent für Kultur und Freizeit.
Seine kommunale Kulturpolitik war zwanzig Jahre lang wegweisend für viele Kulturdezernenten anderer Großstädte. Unter dem Motto „Kultur für alle“ führte er das Theater auf die Straße und Liedermacher in die Stadtteile, vereinfachte die Ausstellungsverfahren der Museen und machte Literatur im „Literaturzirkus“ sowie in dreißig Stadtteil-Bibliotheken zugänglich. Hoffmanns kulturpolitische Maßnahmen, denen in Frankfurt mit zuletzt einer halben Milliarde Deutsche Mark der größte Etat einer Großstadt zur Verfügung stand, speisten über Jahre hinweg eine Debatte über die Bedeutung von Kultur und Kulturpolitik im sozialen Umfeld. Das von Hoffmann 1971 juristisch durchgefochtene erste „Kommunale Kino“ in der Bundesrepublik Deutschland fand über 150 Nachahmungen. ... [mehr] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/frankfurter-kulturpolitiker-hilmar-hoffmann-ist-tot-15619394.html

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