Mittwoch, 20. Juni 2018

Deutsches Fieber: Das Marbacher Literatur-Archiv dokumentiert Samuel Becketts Abenteuer zwischen Kassel und Berlin / Peter Iden In: FR 15.06.2018

Es ist eine seltsame, eine schöne und auch eine traurige Geschichte. Dass sie sich begeben hat zwischen dem irischen Dublin und ausgerechnet dem nordhessischen Kassel, ist das Seltsame daran. Wie sie eine Sehnsucht bezeugt, ist das Schöne. Das Traurige ist, dass sie endet mit dem frühen Tod einer jungen Frau. 
Auf die Geschichte wird man gebracht durch eine von Ellen Strittmatter und einem Projekt-Team klug und präzise strukturierte Ausstellung, die sich im Literaturarchiv in Marbach am Neckar mit Samuel Beckett befasst, mit dessen Aufenthalten in Deutschland und den Beziehungen seines dramatischen Werks wie seiner Prosa zur deutschen Kultur. 
Verbindungen, welche sich schon in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts herausbilden. Es war im August 1928, als der zweiundzwanzigjährige Beckett zum ersten Mal von Dublin nach Kassel reiste, um dort, in der Landgrafenstraße, seine Cousine Peggy zu besuchen, Tochter eines irischen Kunsthändlers, den es in die deutsche Provinz verschlagen hatte. In diese Peggy, deren Bekanntschaft er während ihres Urlaubs mit den Eltern in Irland gemacht hatte, war Beckett verliebt. Wohl achtmal ist er in den folgenden Jahren zu Peggy nach Kassel gekommen, hat mit ihr begonnen, sich mit deutscher Kunstgeschichte zu beschäftigen, sich belesen gemacht über Dürer und die deutsche Renaissance, aber auch die Dichter der Deutschen wahrgenommen, Fontanes „Effi Briest“ wurde den beiden wichtig für nicht nur einen Sommer. 1933 stirbt Peggy an Tuberkulose. Die Nachricht erreicht Beckett in Paris, wohin er inzwischen vorübergehend übersiedelt ist. In der Novelle „Premier Amour“ („Erste Liebe“), das 1946 entstandene Manuskript wird erst 1970 veröffentlicht, findet sich der bitter resümierende Satz: „L’amour cela ne se commande pas“. Liebe gibt es nicht auf Verlangen. ... [mehr] http://www.fr.de/kultur/literatur/samuel-beckett-deutsches-fieber-a-1526175,0#artpager-1526175-1

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