Dienstag, 28. März 2017

Suche nach NS-Raubgut in der Württembergischen Landesbibliothek

Als erste Bibliothek im Bundesland Baden-Württemberg untersucht die Württembergische Landesbibliothek seit Juni 2016 ihre Bestände systematisch nach NS-Raubgut. Das Projekt wird zu gleichen Teilen finanziell gefördert von der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Die Laufzeit beträgt drei Jahre.

In dem Projekt werden sämtliche antiquarisch erworbenen Bände der 1950er und 1960er Jahre nach Besitzmerkmalen wie Exlibris, handschriftlichen Eintragungen oder Stempeln durchgesehen. Insgesamt handelt es sich dabei um circa 60.000 Bände. Die Funde werden in einer hauseigenen Allegro-Datenbank dokumentiert und in die entsprechenden überregionalen Verzeichnisse (z.B. Lost-Art-Datenbank, Provenienz-Wiki des GBV) sowie in den SWB-Verbundkatalog eingebracht.  Aus den Provenzienzmerkmalen in den Büchern lässt sich nur in wenigen Fällen eindeutig auf individuelle Personen oder Institutionen schließen. Es gibt große Unterschiede, wie genau sich aus diesen Merkmalen nachweisen lässt, dass es sich bei einem der gefundenen Bände tatsächlich um NS-Raubgut handelt. Um dem Rechnung zu tragen, werden die jeweiligen Bücher in verschiedene Kategorien eingeordnet, je nachdem, wie wahrscheinlich der Verdacht auf NS-Raubgut ist. Diese reichen von Kategorie 1 „geklärt, kein Raubgut“ über „unspezifisch“, „verdächtig“ bis hin zu „NS-Raubgut“ oder  „zurückgegeben“ bzw. „restituiert“.

Als verdächtig eingestufte Besitzmerkmale werden im ProvenienzWiki des GBV verzeichnet, um sie einer größeren Öffentlichkeit und vor allen Dingen auch anderen ProvenienzforscherInnen zugänglich zu machen. Daneben werden die verdächtigen Provenienzen sowohl im OPAC der WLB als auch im Südwestdeutschen Bibliotheksverbund (SWB) verzeichnet. Das Ziel ist die Rückgabe bzw. Restitution der geraubten Bücher an die Opfer bzw. deren Erben.

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