Montag, 23. Januar 2017

Yolocaust: Selfies zwischen Leichen

Zwei völlig gegensätzliche Aktionen legen den Eindruck nahe, dass eine Neubewertung [des Ho0locaust-Mahnmals] fällig sein könnte. Zum einen ist da der neonazistische AfD-Provokateur Björn Höcke, der in seinem verbissenen Kampf um Aufmerksamkeit nun das Mahnmal entdeckt hat: Die Deutschen, sagte er in Thüringen, seien „das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat." Der Satz liest sich vieldeutig, aber der Zusammenhang zeigt: Er hasst dieses Gedenken. Und er steht damit erkennbar nicht allein. 

Die andere Aktion heißt "Yolocaust" und stammt vom Berliner Satiriker und Autor Shahak Shapira. Er hat auf seiner Website Fotos gesammelt, Selfies, die auf dem Mahnmal entstanden, vermutlich in aller Unschuld: Touristen posieren, turnen, jonglieren. Doch wer mit dem Mauszeiger über den scheinbar harmlosen Bildern verharrt, der sieht plötzlich etwas anderes: Historische Fotos von Massengräbern, hineinmontiert in die fröhlichen Fotos. Auf einmal steht der Jongleur zwischen Leichen. Sichtbar wird so das Konkrete, das das Mahnmal in seiner Abstraktion nur andeutet.... [mehr] http://www.tagesspiegel.de/berlin/yolocaust-in-berlin-selfies-zwischen-leichen/19278110.html

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