Montag, 17. Oktober 2016

Chemische Prozesse

"Hätte die nationale Filmkultur mehr Stellenwert in Deutschland, würde wohl seit Wochen eine heftige kulturpolitische Debatte toben, im Vorgriff auf eine öffentliche Anhörung des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestags in der kommenden Woche. So aber ist es eher still geblieben, denn es geht ja nur um die 'nachhaltige Bewahrung, Sicherung und Zugänglichkeit des deutschen Filmerbes', wie das ein Antrag der Linken-Fraktion im Bundestag formuliert hat.

Dass man für Gemälde Museen und spezielle Lagerhallen braucht, ist schon länger auch den meisten Banausen klar. Bei Filmen aber haben sich viele Politiker gerne eingeredet, die würden schon irgendwie alle beim Fernsehen im Keller aufbewahrt und von Zeit zu Zeit ausgestrahlt. Nachdem Kulturschaffende und Wissenschaftler Alarm schlugen, ist nun aber ein gewisses Bewusstsein dafür vorhanden, dass sich das Filmerbe allmählich chemisch zersetzt. Einige Besorgte sehen in der Digitalisierung aller Bestände das Heil, andere beharren darauf, dass die Originale parallel konservatorisch behandelt werden müssten. Die bislang bereitgestellten Mittel aber reichen nicht einmal für die Digitalisierung. Die Politik wird also entscheiden müssen, wie viel sie verkommen lassen will. Die Anhörung wird am 19.Oktober [2016] ab 19.45 [Uhr] auf www.bundestag.de gestreamt."

Thomas Klingenmaier am 15.10.2016 in der Stuttgarter Zeitung        

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