Dienstag, 9. August 2016

Israelische Nationalbibliothek erhält Kafka-Briefe

Nach jahrelangem Rechtsstreit gehen wertvolle Briefe des Schriftstellers Franz Kafka (1883-1924) endgültig an Israels Nationalbibliothek. Dies entschied das Höchste Gericht in Jerusalem in letzter Instanz. Die Israelin Eva Hoffe scheiterte damit zum dritten Mal mit ihrer Darstellung, sie und ihre Nichten seien rechtmäßige Erbinnen des Nachlasses des Schriftstellers Max Brod.

Der jüdische Autor Kafka hatte vor seinem Tod 1924 seinen Freund Brod gebeten, seine Werke zu verbrennen. Dieser brachte sie jedoch zur Veröffentlichung und Kafka errang Weltruhm. Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten 1939 aus Prag nahm Brod in einem Koffer die Werke seines Freundes mit nach Palästina. Nach Brods Tod 1968 ging der Nachlass an seine ehemalige Sekretärin Esther Hoffe. Sie verkaufte einen Teil der Texte, darunter das Roman-Manuskript „Der Prozess“, für etwa zwei Millionen Dollar. Einen anderen Teil bewahrte sie in Safes in Israel und der Schweiz auf. Nach ihrem Tod vererbte sie die Texte an ihre Töchter, von denen eine inzwischen gestorben ist.

Das Gericht folgte jedoch auch in letzter Instanz dem Argument, Brod habe in seinem Testament verfügt, sein literarischer Nachlass solle an eine jüdische Bibliothek gehen. Brod habe nicht gewollt, „dass sein Nachlass an den Meistbietenden verkauft wird“, hieß es in dem Urteil. Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hatte auch Interesse an dem Nachlass signalisiert, jedoch schon während des Prozesses Kooperationsbereitschaft mit der Nationalbibliothek gezeigt, etwa bei der gemeinsamen Erforschung der Briefe. Die Jerusalemer Bibliothek, die einen besonderen deutschen Schwerpunkt hat, verfügt über eine Sammlung von mehr als fünf Millionen Einzelobjekten. Wegen Platzmangels will sie in den kommenden Jahren in ein neues Gebäude im Regierungsviertel und in der Nähe des Israel-Museums umziehen.

via dpa

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